TitelSarahs Schublade

Daten

Text/Musik/Drehbuch:

Daniel Untersander
geschrieben 2002-2003 / bis anhin nicht veröffentlicht

 

Besetzung

 

Hauptrollen:

Sarah (Mezzosopran)
Vater (Tenor)
Geschäftsmann (Bariton)
Mutter (Sopran)
Schulleiter (Bass - Bariton)
Säufer (Bass)
Schularzt (Bariton)
Lehrerin (Sprechrolle)

Die fünf Spielzeuge aus dem Gestell (a cappella Quintett)
Prinzessin (Sopran)
Wecker (Alt - Mezzosopran)
Buch (Alt)
Soldat (Tenor)
Teddybär (Bass)

weitere Rollen/Chöre:

Anna (Mezzosopran)

Schulklasse
4 Mädchen        
4 Knaben
5 Kinder mit Solopart   

Gesellschaft (gemischter Chor)

Orchester:

2 Flöten
1 Oboe
1 Fagott
2 Trompeten
2 Posaunen
Klavier (Orgel, Hammond-Organ)
Celesta 
E-Gitarre
E-Bass
Percussion
Schlagzeug
ca. 8 Violinen (1.+2. Violine)
ca. 4 Bratschen
ca. 2 Violoncellos
ca. 2 Kontrabässe

 

Musik

Das Stück besteht aus sehr viel Musik. Nur ganz wenige Stellen werden gesprochen.
Die Komposition ist vom Schwierigkeitsgrad klar für erwachsene Sänger und Musiker gedacht. Natürlich nicht bei den Kinder-Rollen.
Jede Hauptrolle wird von seinem eigenem Instrument begleitet. Dieses spielt jeweils die Melodie oder eine zweite Stimme mit. Die Ausnahmen sind der Vater, der vom Klavier untermalt wird, und Sarah, welche nie ohne Celestaklänge auf der Bühne steht. Ihre nahe Verwandtschaft der beiden Instrumente soll damit auch das Zusammengehören von Vater und Sarah zum Vorschein bringen. Des Weiteren wird der Schulleiter beispielsweise vom Fagott, der Geschäftsmann von der Posaune oder die Mutter von der Flöte unterstütz.

Es finden sich orchestrale aber auch rockige Stellen. Der Chor singt auchmal ganz a cappella, dann wieder im Tutti mit dem Orchester. Balladen und traurige Melodien finden ebenfalls ihren Platz.

PartiturAuszug 

Handlung

Sarah ist ein sehr fantasievolles Kind. Dies wird ihr zum Verhängnis: Als Sarahs Vater stirbt, ist er für sie immer noch da. Das bringt sie in Schwierigkeiten mit der Schule und der Gesellschaft.
Eine melancholische Geschichte über ein Mädchen, das etwas mehr Zeit braucht, um den Tod ihres Vaters zu verkraften und eine Gesellschaft, die keine Abweichungen vom "Normalsein" duldet.

Erster Akt

Sarah liegt schlafend in ihrem Bett und wacht plötzlich auf. Sie denkt traurig an ihren Vater und vermisst ihn. Die fünf Spielzeuge, die sich mit den restlichen Gegenständen im Gestell verstecken, hören ihre verzweifelten Rufe und versuchen sie aufzumuntern. Die Fünf steigern sich jedoch immer mehr in eine schlechte Kritik über die Welt und die Menschen hinein. Bis zum Krieg wird diese fortgesetzt. Erst der Teddybär holt seine Gefährten aus der Melancholie zurück und sie versuchen erneut Sarah zu einem Lächeln zu bringen. Doch die Mühe ist umsonst, denn Sarah trauert erneut und die Spielzeuge versorgen sich resigniert wieder im Gestell.

Plötzlich hört Sarah eine Stimme. Es ist ihr Vater, der sie gerufen hat. Doch nein, als sie ein zweites Mal hinhört klingt die Stimme anders. Es ist ihre Lehrerin. Sarah fällt aus den Wolken. Sie merkt, dass sie verträumt in der Schule sitzt und diese Episode gerade ihrer Freundin Anna erzählt hat. Entnervt tadelt die Lehrerin Sarah und geht danach jedoch weiter. Sie stellt den Besucher vor. Der Geschäftsmann hält seine Rede über die Zukunft. Die Kinder tragen nacheinander ihre Berufswünsche vor. Doch als Sarah an der Reihe ist, weiss sie noch nicht genau, was sie werden möchte. Der Geschäftsmann findet dies fatal, hält seine Moralpredigt und verschwindet wieder hochnäsig.

Die Glocke läutet, die Schüler gehen, doch Sarah wird von der Lehrerin zurückgehalten. Sie fand ihr Benehmen wiedereinmal unerträglich und hat gleich ein Treffen mit dem Schulleiter arrangiert.

Dieser empfängt Sarah und tadelt sie auf Grund ihres unpassenden Verhaltens. Sie erklärt ihm, was sie bedrückt. Er versteht das Mädchen, belässt es bei einer Verwarnung und verzichtet auf eine Strafe.

Sarah möchte gehen, doch der Chor versperrt ihr den Weg. Die vielen Menschen ermahnen den Schulleiter konsequent zu sein. Sie ergreifen die Oberhand und geben Sarah den blauen Brief, den sie ihrer Mutter heim bringen soll. Danach verschwindet die Gesellschaft.

Die beiden Verbliebenen seufzen über ihre Machtlosigkeit gegenüber den Stärkeren.

Wieder zuhause übergibt Sarah den blauen Brief wortlos ihrer Mutter. Diese wird rasend vor Wut und unterstellt Sarah, ständig Probleme ins Haus zu bringen. Mit Unterstützung des Chores schickt sie Sarah tobend in ihr Zimmer.

Bald bereut jedoch die Mutter, wie sie Sarah angeschrieen hat. Sie geht zur Türe von Sarahs Zimmer und zerfällt ihren traurigen Gedanken. Zum Schluss wünscht sie ihrem Kind eine gute Nacht.

Wieder alleine in ihrem Zimmer richtet sich Sarah auf dem Bett auf und erinnert sich an ihren Vater. Verzweifelt ruft sie nach ihm. Doch die Hoffnung auf sein Kommen schwindet mehr und mehr. Doch als das Mädchen aufgeben will, hört sie plötzlich seine Stimme. Bald erkennt sie ihren Vater und umarmt ihn. Mit der Arie der Fantasie zeigt er Sarah eine Welt, die sie beide verbindet. Auch die fünf Spielzeuge erwachen wieder aus ihrem Schlaf und singen gegen Ende des Stücks mit.

Übermütig rennt Sarah zu ihrer Freundin und erzählt ihr voller Freude, was letzte Nacht passiert ist. Anna ist glücklich über die neue Lebensfreude von ihrer Freundin und denkt sich nicht viel bei Sarahs aussergewöhnlicher Geschichte.

Einige Leute haben aber schon gehört, was Sarah herumerzählt und sind empört über die erlogenen Aussagen des Mädchens. Sogleich steht der ganze Chor vor den beiden, tadelt Sarah erneut und verkündet ihr den Termin beim Schularzt. Die Lehrerin packt das eingeschüchterte Kind und bringt es zum Schularzt.

Der Mann im weissen Kittel zieht sobald die Akten zu Rate und verliest die Notizen, die über Sarah gemacht wurden. Schliesslich kommt der Arzt zum Schluss. Sarah ist ein Z-A-S-Kind und muss einen speziellen Unterricht besuchen, der ihr Verhalten und Benehmen ändern solle. Würden dann keine positiven Veränderungen eintreffen, so folge ein Klassenausschluss.

Sarah versucht sich zu rechtfertigen. Doch sie wird nicht angehört. Der Chor wiederholt noch einmal die Ergebnisse des Doktors und erklärt Sarah, es würde so besser sein. Doch das Mädchen ist am Boden zerstört.

Zweiter Akt

Sarah ist auf einem Schrottplatz nahe der Schule. In ihren Ohren tönt noch der Nachruf des Chores, der ihr erklärt, dass diese Strafe auf Grund ihres Verhaltens nötig gewesen sei.

Das weinende Kind wird nun vom Vater getröstet. In aufmunternder Weise erklärt er ihr, die manchmal tragischen Verhaltensweisen der Menschen. Es gelingt ihm Sarah aufzuheitern. Doch schon bewegt sich etwas ganz in der Nähe und die Kleine vergisst ihren Vater.

Sarah eilt sofort zur besagten Stelle. Hinter einem Berg Schutt und Altmetall entdeckt sie einen besoffenen Mann. Schnell will sie wissen, wer er sei. Der Säufer will anfangs nicht, doch Sarah ist zu aufdringlich und der betrunkene Mann gibt nach. Er redet über seine Nutz- und Wertlosigkeit auf dieser Erde. Er versucht das Mädchen durch sein abschreckendes Wesen abzublocken. Als er aber beginnt über das Klischee zu sprechen, das ihm ständig auferlegt wird, erscheint der Chor und holt ihn wieder zu seinen anfänglichen Worten zurück. Der Säufer fällt wieder in seine Melancholie zurück und die Gesellschaft wendet sich zufrieden ab.

Sarah erklärt ihm nun, dass sie eigentlich wissen wollte, wer er sei, nicht was er sei. Der Säufer ist erstaunt über die Aussage des Mädchens. Sie kommen miteinander ins Gespräch.

Nicht lange aber geht es, bis ein tosender Lärm die Unterhaltung stört. Sofort zieht sich der Säufer zurück und Sarah versucht etwas zu erkennen.

Einige, gut gekleidete Damen und Herren und zahlreiche Arbeiter betreten den Schrottplatz und machen ihn in kurzer Zeit zu einem Hexenkessel. Sarah erkennt den Geschäftsmann, welcher nun auf ein Rednerpult steigt, die Menge besänftigt und zu sprechen beginnt. Er stellt inbrünstig sein neues Projekt vor, das auf diesem Schrottplatz verwirklicht werden soll. Dabei handelt es sich um eine Firma, die perfekte Menschen bauen wird.

Das neugierige Mädchen stolpert über ein Autoteil und macht ungewollt auf sich aufmerksam. Sofort erkennt der Geschäftsmann das Kind und holt es zu sich. Er möchte Sarah etwas zur Schau stellen und fragt sie, was sie zu seinem Vorhaben meine. Sarah antwortet nach kurzem Zögern, dass man keine Menschen bauen dürfe.

Sofort aber rechtfertigt der Geschäftsmann seine Pläne. Die Menge von Leuten formt sich zu einem Chor und stimmt mit ihm ein. Menschen würden schon längst Menschen formen und bauen. Sein Vorhaben sei lediglich der nächste Schritt, den die Wissenschaft zu machen habe. Nach seinen Ausführung setzt die ganze Gesellschaft zum Abmarsch an. Doch der Geschäftsmann bleibt kurz bei Sarah und versichert ihr, das in Zukunft alles seinen Namen tragen werde. Sie soll es ruhig all ihren Freunden und der Mutter und dem Vater berichten. Doch Sarah antwortet kühl, ihr Vater wisse es schon.

Zurück zuhause legt sich Sarah in ihr Bett, ruft der Mutter noch gute Nacht und schläft ein. Der Vater erscheint zum letzten Mal, gibt Sarah noch einige Ratschläge mit auf den Weg und verabschiedet sich von ihr. Als sein Echo schon bald verhallt ist, wacht Sarah auf.

Auch sie sagt leise zu sich: „Adieu Papa.“